80 Jahre Salzburger Adventsingen: Jubiläum, Abschied und Neubeginn
09.10.2026
„Das große Geheimnis“ – so lautet das Motto der Jubiläumsausgabe des Salzburger Adventsingens 2026. Die Premiere steigt am 27. November 2026 im Großen Festspielhaus. Es ist ein ganz besonderes Jahr für die Traditionsveranstaltung: 80 jähriges Bestehen, 1.000 ste Aufführung, Abschied aus dem großen Festspielhaus und großer Wechsel in der Leading-Crew.
Mit dem Jubiläumswerk „Das große Geheimnis“, verabschiedet sich Hans Köhl nach 27 Jahren als Intendant und künstlerischer Gesamtverantwortlicher. Auch für Regisseurin Gerda Gratzer, die seit 2022 für die schauspielerische Gestaltung des Salzburger Adventsingens verantwortlich zeichnet, ist die Jubiläumsproduktion ihre letzte.
Auf Grund der Baustellensituation in und um dem großen Festspielhaus, stellt die diesjährige Produktion für die Verantwortlichen eine große Herausforderung dar. 2027 wird das Salzburger Adventsingen dann in die Felsenreitschule übersiedeln.
Heiß begehrt sind nach wie vor Tickets für das Salzburger Adventsingen. Schon jetzt sind 80% der Karten verkauft.
Zurück zu den Wurzeln
Nach zahlreichen Inszenierungen, die das Publikum unter anderem in die Weinberge Judäas oder in die Bergwelt des Dachsteinmassivs führten, kehrt Hans Köhl mit seiner letzten Produktion an den geografischen Ursprung des Salzburger Adventsingens zurück: in die Salzburger Altstadt.
„Mit diesem Jubiläumswerk schließt sich der Kreis meines 27-jährigen Wirkens als Intendant des Salzburger Adventsingens“, erklärt Köhl. Bereits mit dem Werk „... denn Gott ist die Liebe“ im Jahr 2003 begann für ihn eine intensivere Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins und dem Göttlichen. Die Suche nach dem Ursprung des Lebens und das Wunder der Geburt stehen nun auch im Mittelpunkt seines Abschiedswerks.
Die Handlung von „Das große Geheimnis“ beginnt mit den Erinnerungen einer Salzburgerin an die Adventzeit vor einigen Jahrzehnten, als es rund um den Residenzplatz noch stiller und dunkler war. Die von Martina Auer verkörperte Erzählerin führt aus heutiger Perspektive durch das Geschehen und stellt die Frage, welche Bedeutung die Weihnachtsgeschichte für die Menschen unserer Zeit haben kann.
In der Salzburger Altstadt treffen unterschiedliche Welten aufeinander: Hirtenkinder, die ihre entlaufenen Schafe suchen, finden bei Rabbi Jakob, gespielt von Edwin Hochmuth, Unterkunft. Dort begegnen sie auch Maria und Josef. Die Begegnungen werden zum Ausgangspunkt einer Erzählung über Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und die Suche nach dem Wesentlichen.
Einen besonderen Schwerpunkt legt Köhl auf die weiblichen Figuren: „Maria, Elisabeth, der Engel und die Erzählerin erhalten eine starke Präsenz im Stück. Damit möchte ich auch ein bewusstes Zeichen für die Bedeutung und Gleichberechtigung der Frauen setzen. Auch der Engel war bei mir schon immer eine Engelin.”
Menschlichkeit und Zusammenhalt im Mittelpunkt der Regie
Im Zentrum ihrer Inszenierung steht die Frage, was die Geburt Christi und die damit verbundenen Werte heute noch bedeuten können. Eine wesentliche Rolle übernimmt dabei der Engel, der als guter Geist die Handlung begleitet und insbesondere die Erzählerin mit der spirituellen Ebene des Geschehens verbindet.
Einen bewussten dramaturgischen Kontrast bilden Maria und Josef, die heuer als selbstbewusste, festlich gekleidete Persönlichkeiten auftreten. Dennoch bleiben ihnen Hilfe und Aufnahme zunächst verwehrt. Die Hirten hingegen begegnen ihnen mit Offenheit und Hilfsbereitschaft. Damit thematisiert das Stück, dass gesellschaftlicher Status und materieller Wohlstand allein keinen menschlichen Zusammenhalt schaffen.
Für lebendige und bisweilen humorvolle Momente sorgen die Hirtenkinder vom Gaisberg und Untersberg. Ihre Suche nach den Schafen führt sie in die ungewohnte Umgebung der Stadt, die sie mit Neugier und zunehmender Begeisterung erkunden.
Musikalischer Rückblick auf acht Jahrzehnte
Auch musikalisch versteht sich „Das große Geheimnis“ als Würdigung der langen Geschichte des Salzburger Adventsingens. Komponist Shane Woodborne, der heuer zum elften Mal mit Hans Köhl zusammenarbeitet, verbindet neue Kompositionen und Arrangements mit Werken jener Komponisten, die das Adventsingen über Jahrzehnte geprägt haben.
Rund 15 Programmpunkte hat Woodborne für die Jubiläumsproduktion neu komponiert oder musikalisch bearbeitet. Dazu gehören der neue Prolog „Salzburg im Advent“, Vertonungen von Texten von Wilhelm Willms und Clemens Brentano sowie zahlreiche Orchestrierungen.
Das musikalische Spektrum reicht von traditioneller alpenländischer Volksmusik über Werke von Tobi Reiser, Wilhelm Keller und César Bresgen bis zu Kompositionen von Klemens Vereno und Peter WesenAuer. Auch Gedanken von Karl Heinrich Waggerl aus dem Jahr 1956 finden Eingang in das Textbuch. Eine zusätzliche Klangfarbe bringt das Bassetthorn, das heuer neu in die Instrumentalbesetzung aufgenommen wird.
Eine wichtige Rolle kommt erneut den Salzburger Hirtenkindern zu. Neben dem anspruchsvollen „Grödiger Walzer“ stehen unter anderem ein Aberseer Landler und das „Hirten Stille Nacht“ – eine besondere Fassung von „Stille Nacht“ – auf dem Programm. Die Verbindung vertrauter musikalischer Traditionen mit neuen Kompositionen soll den besonderen Charakter dieses Jubiläums-Adventsingens prägen.
Salzburg wie auf alten Fotografien
Bühnenbildner Andreas Ivancsics lässt die Salzburger Altstadt in der Anmutung historischer Fotografien entstehen. Zu den markanten Elementen gehören das Glockenspiel der Neuen Residenz und die Fassade des Salzburger Heimatwerks. Für eine möglichst originalgetreue Umsetzung wurden die Gebäude und ihre Details vor Ort eingehend studiert.
Die Kulissen werden überwiegend in klassischer Bauweise gefertigt und von Hand bemalt. Sepia- und Brauntöne, bewusst gesetzte Alterungsspuren sowie kupfergrüne Dächer vermitteln den Eindruck vergangener Jahrzehnte. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die vergleichsweise geringe Bühnentiefe des Großen Festspielhauses dar. Die Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Tischlerei Alfred Laserer aus Gosau.
Kostümbildnerin Brigitte Schiebler greift diese Bildsprache mit natürlichen Materialien und sorgfältig abgestimmten Farben auf. Leinen, Wildseide und handgearbeitete Details prägen das Erscheinungsbild. Maria trägt bestickte Seidenstoffe in kräftigen Rottönen, Josef und Elisabeth lange Mäntel. Die Erzählerin ist in einem Dirndl mit Paisleymuster zu sehen, während der Engel in bestickter Baumwolle und luftigem Seidenchiffon gestaltet wird. Bühnenbild und Kostüme sollen gemeinsam ein harmonisches Gesamtbild ergeben.
Nach 27 Jahren: Hans Köhl übergibt an Robert Pienz
Mit dem Ende der Spielzeit 2026 geht auch eine Ära in der Geschichte des Salzburger Adventsingens zu Ende. Hans Köhl, der seit dem Jahr 2000 die künstlerische Gesamtverantwortung trägt, übergibt die Intendanz an Robert Pienz.
Der erfahrene Theatermann sieht sich für 2027 vor der Aufgabe, eine traditionsreiche Kulturinstitution weiterzuentwickeln und zugleich ihre unverwechselbare Identität zu bewahren. Dabei gehe es nicht nur um die Fortführung vertrauter Formen, sondern vor allem darum, die zentrale Botschaft des Adventsingens auch künftig auf eine Weise zu vermitteln, die Menschen berührt.
Pienz wird für seine erste Produktion 2027 sowohl das Buch verfassen als auch Regie führen. Der neue Intendant bringt rund 35 Jahre Theatererfahrung mit und kann auf zahlreiche Inszenierungen zurückblicken. Der Austausch mit seinem Vorgänger Hans Köhl verlaufe intensiv und konstruktiv.
Mit dem personellen Wechsel ist auch ein räumlicher Neubeginn verbunden. Das Salzburger Adventsingen wird 2027 in die Felsenreitschule übersiedeln. Die bevorstehenden Umbauarbeiten im Großen Festspielhaus machen eine Ausweichspielstätte notwendig. Für Pienz bietet der neue Aufführungsort gleichzeitig die Möglichkeit, die Erzählweise und szenische Gestaltung grundlegend neu zu denken. Die besonderen räumlichen und technischen Voraussetzungen der Felsenreitschule werden dabei eine wesentliche Rolle spielen.
Die Balance zwischen Bewahrung und Erneuerung bleibt die zentrale Herausforderung: Die Adventgeschichte soll auch künftig in einer großen szenisch-musikalischen Erzählung vermittelt werden, zugleich aber neue künstlerische Zugänge ermöglichen.
Jubiläumsjahr mit 1000. Vorstellung
Das Salzburger Adventsingen wurde 1946 von Tobi Reiser dem Älteren begründet und entwickelte sich von einer kleinen volkskulturellen Zusammenkunft zu einer international bekannten Kulturveranstaltung. Seit 1960 ist das Große Festspielhaus seine Spielstätte. Mehr als zwei Millionen Menschen haben das Salzburger Adventsingen im Lauf seiner Geschichte besucht.
Im Jubiläumsjahr steht ein weiterer Meilenstein bevor: Am Samstag, 28. November, wird um 17.30 Uhr die 1000. Vorstellung im Großen Festspielhaus stattfinden.
Erreichbarkeit des Großen Festspielhauses weiterhin gewährleistet
Die Erreichbarkeit des Großen Festspielhauses ist auch während der aktuellen Verkehrs- und Baustellensituation gewährleistet. Reisebusse mit einer Höhe von bis zu 3,70 Metern können weiterhin bis zum Festspielhaus zufahren und die dortige Umkehrschleife zum Ein- und Aussteigen der Gäste nutzen. Ein Abstellen der Busse ist in diesem Bereich allerdings nicht möglich. Für größere Reisebusse steht ein eigens eingerichtetes Busterminal in der Reichenhaller Straße zur Verfügung. Auch die Zufahrt zu den Mönchsberggaragen ist über die Riedenburg uneingeschränkt möglich, lediglich der direkte Zugang über den Garagengang zum Festspielhaus steht nicht zur Verfügung.

